14. Februar 2011

Ganz nebenbei

Sie sieht atemberaubend aus: Das kleine Schwarze umspielt ihre Figur. Das Haar fällt locker über die Schultern. Es klingelt und Er steht vor der Tür. Im Arm hält Er einen Strauß roter Rosen. Sie setzt ein strahlendes Lächeln auf und arrangiert die Blumen in einer Kristallvase. Das Paar sieht sich vielsagend in die Augen. Die Gläser klirren. Schnitt. Ein Restaurant. Der Raum strahlt Exklusivität aus. In der Mitte steht einzeln ein runder Tisch. Sie und Er sitzen sich gegenüber. Das Paar tauscht bedeutungsschwangere Blicke aus, während der Ober die verschiedenen Gänge serviert. Schnitt. In der Mitte steht ein Dessertteller, auf ihm liegen zwei kleine Gabeln. Er hält ihre Hände umfasst. Leise reden die beiden miteinander. Zweisamkeit am Valentinstag. Plopp. Die Werbeblase platzt. Zurück in die Realität. Heute ist der Tag. Der Abend muss etwas ganz Besonderes werden. Das Paar sieht gar nicht nach Hochglanzmagazin aus. Nichts läuft so wie geplant: Ihr passt das Kleid kaum noch. Er hat die Blumen vergessen. Einen Anzug wird Er auf keinen Fall anziehen. Schnitt. Kurz bevor der Kellner den Tisch an jemand anderen vergibt, erreicht das Paar das Restaurant. Überall sitzen Pärchen. Eines gleicht dem anderen. Aus den Boxen dröhnt „What a wonderful world.“ Schnitt. Sie und Er sitzen sich gegenüber. Die einzige Stimme im Raum gehört Louis Armstrong. Das Paar hat Funkpause. Stille. Was haben sie einander auch zu sagen. Die Blicke wandern durch den Raum – beobachten die anderen. Eingepfercht zwischen Frauen und Männern sind sie gefangen. Anti-Zweisamkeit am Valentinstag.

2 Kommentare:

Heidi hat gesagt…

Kommt mir leider sehr bekannt vor diese Szene...mann mann mann wie schön geschrieben Süße!

Philomena hat gesagt…

Darüber müssen wir wohl mal quatschen