Schmidt und Meier sind Nachbarn. Viele Jahre schon leben sie nebeneinander. Im Winter teilen sie sich sogar dasselbe alte Haus. Über die Jahre setzten sie nicht nur Moos an, nein, sie lernten sich richtig kennen: Schmidt mit roter Mütze, Sonnenbrille und Sandalen liebt es im Garten zu sitzen. Seit geraumer Zeit hält er nicht mehr die Alibi-Zeitung in Händen, sondern ein Handy an sein Ohr. Er spricht und spricht, egal wen er an die Strippe kriegt. Kaum regt sich jemand, beginnt er zu grölen: „Hallo! Wie? Ich hör dich gerade nicht so gut! Mir geht es bestens!“, sind seine liebsten Floskeln. Dies stört natürlich Meier. Sein grüner Wams und das Fernglas in der Hand weisen sicher auf sein Hobby: die Jagd. Doch wie soll Meier auch nur eines der Tierchen aus der Hecke erlegen, wenn Schmidt ständig in sein Telefon quasselt. Jedes Leben wird gewarnt. Aber Meier ist auch Schmidt ein Dorn im Auge. Waldi, der kleine Dackel von Meier, sitzt am liebsten zu Füßen seines Herrchens. Aber er kann das Bellen einfach nicht lassen. Ziemlich regelmäßig zur vollen Stunde ertönt ein ohrenbetäubendes Gebell, so dass Schmidt kaum noch ein Wort versteht. „Können Sie auch nur an einem einzigen Tag die Lautsprecher ihrer Gartenzwerge ausschalten?“, kreischt die Nachbarin in den Garten nebenan. Schmallippig hockt sie zwischen ihren Blumen und zupft Unkraut. Dabei dröhnt Musik aus dem Radio. „Erst wenn Sie die Kiste leiser drehen“, brüllt der Nachbar zurück. Mit Stolz betrachtet er seine Zwerge und fragt sich, warum sie und er nicht so friedlich nebeneinander existieren können. Schmidt und Meier, die sich doch auch so prima verstehen.
16. April 2011
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen