9. Juli 2011

Ganz nebenbei

Sie kommen. Sie sind unausweichlich. Eine Spezies, die heimtückischer ist als jede Seuche. Hinterrücks verändern sie Welten. In der Regel die eines bestimmten Individuums: Die Besucher. Niemand ist vor ihnen sicher. Egal ob sogenannte Familie, Freunde oder der gemeine Nachbar, irgendwann stehen sie vor der wohlbehüteten Haustür. Gerade im unpassendsten Moment finden ihre Zeigefinger den Weg zur einzig wahren Klingel. Sie rufen durch Briefschlitze und klopfen so lange, bis das Holz splittert. Was bleibt dem Überfallenen anderes übrig als die einzig mögliche Rolle: Gastgeber wider Willen. Dem nützt es nix, dass überall schmutzige Wäscheberge liegen, der Müll statt im Eimer daneben liegt und das Klo als Forschungseinrichtung für biologische Waffen dient. Ungerührt schieben sich die grinsenden Besucher vorbei, schichten um und plappern ohne Unterlass. Einhalt gibt es erst, wenn der Gastgeber die lautstarken Münder stopft. Kaum sind die dargebotenen Opfer vertilgt, ist ihm eines klar: Er ist wieder auf den Leim gegangen. Selbst wenn die Besucher jemals die Türe von außen schließen – sie sind wie Herpes, sie kommen immer wieder.

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