26. Juli 2011

Ganz nebenbei

Warten. Auf den Zug. Auf den Bus. Warten und Langeweile gehören zueinander wie Hund und Herrchen. Zumindest ein Hauch von fremdbestimmtem und erzwungenem Herumstehen, gepaart mit der Erwartung – etwas muss passieren. Ein Gefühl, dass jeder Mensch kennt und viele verabscheuen. MP3-Player, Bücher oder Löcher in die Luft stieren. Egal wo, die Kreativität um die Suche nach Ablenkung von diesem Gefühl ist beschränkt und altbekannt. In sich gekehrt und fern von anderen. Nicht so Max und seine Oma. Der sechsjährige blonde Knabe weiß, wie er die Langeweile vertreibt. Und nicht nur seine eigene. An der Bushaltestelle sind der Enkel und seine Großmutter umgeben von den apathischen Hülsen Wartender. Sie starren trist auf die Straße und dies ist für Max der Moment, in dem das Spiel beginnt. „Ich sehe was, das du nicht siehst, und das ist rot.“ Suchend schaut nicht nur Oma nach dem roten Gegenstand. Der Mantel der Frau mit den Kopfhörern? Falsch. Das Stoppschild an der Straßenecke? Wieder falsch. Es ist der blutrote Einband eines Buches, welches von seinem Besitzer vor wenigen Sekunden zugeklappt wurde. Die Oma fordert Revanche und sieht schließlich auch etwas, was den anderen verborgen bleibt: „Ich sehe was, das du nicht siehst, und das ist blau.“ Der Schal von dem Mann mit Brille? Natürlich nicht. Der Regenschirm in der Mülltonne neben der Bushaltestelle? Wie kommst du denn darauf? Nicht nur Max sieht Oma erwartungsvoll an: „Blau ist der Pullover unseres Busfahrers“, sagt Oma lachend und zeigt auf den Fahrer des Ungetüms, welches in die Haltebucht reinschleicht.

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